Der digitale Workflow in der Zahnmedizin: Ein umfassender Überblick
In der heutigen Zahnmedizin ist der digitale Workflow mehr als nur ein Trend – er stellt einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise dar, wie zahnärztliche Behandlungen durchgeführt werden. Dieser integrierte Gesamtprozess umfasst alle Schritte von der Diagnostik über die Behandlungsplanung bis hin zur Fertigung von Zahnersatz. In diesem Artikel erfahren Sie, wie der digitale Workflow die Effizienz und Qualität in Zahnarztpraxen und Dentallabore revolutioniert.
Was ist der digitale Workflow?
Der digitale Workflow in der Zahnmedizin gliedert sich in drei wesentliche Schritte:
- Datenerfassung: Hierbei kommen Technologien wie der optische 3D-Intraoralscan, digitales Röntgen oder Gesichtsscanner zum Einsatz.
- Datenverarbeitung & Design (CAD): In diesem Schritt wird der Zahnersatz virtuell am Computer konstruiert.
- Fertigung (CAM): Die Herstellung erfolgt durch subtraktive Verfahren wie Fräsen oder additive Verfahren wie 3D-Druck.
Der Paradigmenwechsel in der Zahnmedizin
Traditionelle Methoden wie analoge Abdruckmassen und Gipsmodelle werden zunehmend durch präzise 3D-Daten ersetzt. Diese Entwicklung minimiert Informationsverluste und beschleunigt die Arbeitsabläufe in Zahnarztpraxen erheblich.
Klinische Relevanz des digitalen Workflows
Die Vorteile des digitalen Workflows sind nicht nur theoretischer Natur. Eine 2024 im Romanian Journal of Oral Rehabilitation veröffentlichte Meta-Analyse von 55 Studien belegt signifikante Verbesserungen in der klinischen Praxis:
- Passgenauigkeit: Die Verwendung von CAD/CAM-Technologien reduziert den Randspalt von Restaurationen von durchschnittlich 120 µm auf 50 µm, was das Risiko für Sekundärkaries senkt.
- Erfolgsrate: Digitale Workflows erreichen bei prothetischen Restaurationen eine Erfolgsrate von 92 %, während konventionelle Methoden nur 85 % erreichen.
- Stuhlzeitersparnis: Die Stuhlzeit verringert sich um durchschnittlich 35 %, was sowohl für Patienten als auch für das Praxisteam von Vorteil ist.
Kleinere Versorgungen wie Einzelkronen oder Inlays können zudem im In-House-Workflow (Chairside) in einer einzigen Sitzung geplant, gefräst und eingesetzt werden – das Tragen von Provisorien entfällt (Same-Day-Dentistry).
Die Komponenten des digitalen Workflows
1. Intraoralscanner
Intraoralscanner liefern sofortige 3D-Daten in Echtzeit. Dies ermöglicht eine direkte Beurteilung und Korrektur der Präparationsqualität am Bildschirm, was die Behandlungsgenauigkeit erhöht.
2. CAD-Software
Die CAD-Software ermöglicht standardisierte und reproduzierbare Designs, die die Kommunikation zwischen Zahnarztpraxis und Dentallabor erheblich vereinfachen.
3. CAM-Fertigung: Fräsen vs. 3D-Druck
- Fräsen: Diese subtraktive Methode bietet maximale Präzision und Haltbarkeit, ideal für langlebige Restaurationen wie Zirkonoxid-Kronen.
- 3D-Druck: Diese additive Methode ermöglicht eine schnellere Produktion und geringere Kosten, besonders geeignet für Modelle und Provisorien.
Mehrwert für Patienten und Praxisteams
Der digitale Workflow bietet nicht nur Vorteile für die Zahnarztpraxis, sondern auch für die Patienten. Laut der bereits erwähnten Meta-Analyse im Romanian Journal of Oral Rehabilitation reduziert das abdruckfreie Verfahren Ängste und Unbehagen, insbesondere bei Patienten mit starkem Würgereiz, die oft mit traditionellen Abdruckmethoden verbunden sind.
- Patientenkomfort: Keine unangenehmen Abdrucklöffel mehr, weniger Würgereiz und Stress während der Behandlung.
- Transparenz und Vertrauen: Patienten können ihre Scans und Behandlungspläne am Bildschirm nachvollziehen, was das Vertrauen in die Therapie stärkt.
- Team-Entlastung: Die digitale Abformung und das CAD-Design können von geschultem Personal übernommen werden, was den Arbeitsalltag strukturiert und entlastet.
Wirtschaftliche Aspekte und Verbreitung
Wie stark digitale Workflows in der Praxis bereits angekommen sind, zeigt eine 2025 im Journal of Dentistry veröffentlichte Befragung von 1.290 Zahnärztinnen und Zahnärzten in Deutschland und der Schweiz: Bereits 44 % der Allgemeinzahnärzte und 45 % der Kieferorthopäden nutzen digitale Workflows. Besonders in größeren Praxen, Gruppenpraxen und bei jüngeren Zahnärzten ist diese Technologie weit verbreitet.
Allerdings gibt es auch Herausforderungen, wie hohe Anschaffungskosten und die Notwendigkeit von Schulungen für das Praxisteam.
Fazit: Der digitale Workflow als Zukunft der Zahnmedizin
Der digitale Workflow revolutioniert die Zahnmedizin, indem er Effizienz, Präzision und Patientenkomfort steigert. Zahnarztpraxen, die diese Technologien adaptieren, profitieren nicht nur von einer höheren Patientenzufriedenheit, sondern auch von einer verbesserten Arbeitsweise im Team.
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Quellen
- Crețu Cosmin-Ionuț, Tibeică A., Curcă R., Agop-Forna D. et al. (2024): Digital Implications in the Success of Prosthetic Restorations. Romanian Journal of Oral Rehabilitation, 16(4), 789–798. https://doi.org/10.62610/RJOR.2024.4.16.76
- Kernen F., Meurer J.-P., Orth J., Nelson K., Vach K., Zitzmann N. U., Spies B. C., Kernen-Gintaute A. (2025): Digital transformation in dentistry: Patterns of use among clinicians in Germany and Switzerland. Journal of Dentistry, 162, 106099. https://doi.org/10.1016/j.jdent.2025.106099